Strategische Partnerschaften werden ausgebaut

Die mobile Bibel-App „YouVersion“ ging 2008 gemeinsam mit dem Apple App Store an den Start. Gerade einmal 17 Jahre später im November 2025 erreichte die Bibel-App „YouVersion“ eine Milliarde Downloads. Die umfassende globale digitale Vernetzung hat im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts ganz neue Realitäten geschaffen, die man sich am Ende des 20. Jahrhunderts noch nicht mal im Geringsten hat vorstellen können.

Genau mit diesen neuen Möglichkeiten hat sich in Deutschland das creedle-Projekt Anfang 2022 zum Ziel gesetzt eine „digitale Reformation“ zu entfachen und „gemeinsam Jesus digital sichtbar [zu] machen.“creedle-Gründer Tobias Kley betonte dabei von Anfang an: „Alle für alle – wir können nur alle Menschen mit dem Evangelium erreichen, wenn alle Kinder Gottes mitwirken und das einbringen, was Gott ihnen auf’s Herz gelegt hat, worin sie schon viel Erfahrung haben und was sie sowieso schon machen.“

Von Anfang an war klar, dass es einer digitalen Infrastruktur bedarf, die überall auf der Welt eingesetzt werden kann und damit Kosten senkt und Kräfte bündelt. Im Juni 2023 stellte creedle.io ihre erste evangelistische Plattform namens creedle rockc online. Diese Plattform hatte sich zum Ziel gesetzt die meistgesuchten Fragen bzgl. Jesus Christus zu beantworten. Angefangen hat es mit gerade einmal 100 Antworten zu den aber messbar bei Google meistgestellten Fragen rund um Jesus Christus. Mittlerweile sind 287 Antworten online auf creedle rockc.

Innerhalb der ersten beiden Jahre konnten mit dieser überschaubaren Anzahl von Texten allein bei Google ca. 2,5 Millionen Mal creedle-Seiten eingeblendet werden (page impressions). Der steile Aufwärtstrend setzt sich auch nach über 2,5 Jahren trotz substanziellen finanziellen Herausforderungen und massiven technologischen Veränderungen fort. Das Aufkommen von KI-Chatbots im gleichen Zeitraum hat dem keinen Abbruch geleistet. Im Gegenteil, es stellte sich heraus, dass das creedle-Projekt gemäß IT-Standards so gut strukturiert und aufgestellt ist, dass es mit seinen Inhalten von den aufkommenden KI-Chatbots geradezu „geliebt“ wird.

Die enormen Möglichkeiten von digitaler Evangelisation und dezentraler Zusammenarbeit (vgl. polyzentrische Kollaboration weiter unten) liegen im Grunde schon lange auf der Hand. Aber werden diese Chancen strategisch bereits erkannt und genutzt? Wie ist der Stand digitaler Mission in der Welt und in Deutschland? Wo liegen zum Beispiel Stolperfallen im Bereich von Macht und welche anderen wichtigen Fragen tauchen hier neu auf? Wie gut sind Initiativen theologisch und missiologisch reflektiert? Was hat das creedle-Projekt genau vor und wie verhält sich diese Zielsetzung und Vorgehensweise im Bezug zu den großen zuvor erwähnten Fragen?

Dieser Artikel fragt somit danach, wie digitale Evangelisation heute missionstheologisch verantwortlich gestaltet werden kann, welche Chancen und Gefahren mit digitaler Deutungshoheit verbunden sind und wie das creedle-Projekt darauf strategisch und theologisch antwortet.

Stand der Digitalen Evangelistion

Beginnen wir in Auszügen mit einem Blick auf den Stand der digitalen Missionsbemühungen in der Welt und in Deutschland. Der Schwerpunkt wird hier auf die Evangelisation gelegt. Weitere Aspekte von Mission sollen später zumindest mit angedacht werden. In diesen evangelistischen Bemühungen verorten wir das creedle-Projekt.

Partnerschaft zwischen der Evangelischen Allianz Deutschland e.V. und creedle.io zum Ausbau des Netzwerks

Streiflichter weltweiter digitaler Evangelisation

Der französiche digitale Missionar Éric Célérier war einer der ersten, der eine christliche Webseite in den 1990er programmierte. Das war so neu, dass man ihn dafür damals nach Brasilien einlud, um das mit der Webseite dort vorzustellen. Heute ist er Global Ambassador von „The Chosen“, einer christlichen Serie, die sogar einen Guinness-Weltrekord aufgestellt hat. Bis Oktober 2025 wurde „The Chosen“ nicht nur weltweit von über 770 Millionen Menschen angeschaut, sondern sogar als erste Staffel in über 80 Sprachen übersetzt (der Streamingdienst Netflix bietet gerade einmal 45 Sprachen an).

Dabei liegt das Ziel von „The Chosen“ sogar bei etwa 600 Sprachen und mehrere weitere Staffeln sind bereits in Planung. „The Chosen“ und Éric Célérier haben noch viel vor. Die Ziele von Global Media Outreach (GMO) sind allerdings noch etwas ambitionierter. Yvonne Carlson (Chief Technological Officer bei GMO) erklärt im Interview mit Steffen Ehl (Vice President bei einem internationalen Tech-Unternehmen), dass ihre „5-Sterne Strategie“ darauf abzielt bis 2033 weltweit 5 Milliarden Menschen digital mit dem Evangelium zu erreichen.10 Seit 2004 haben sie mittlerweile auch laut ihrer eigenen Webseite bereits über 3 Milliarden Menschen weltweit mit dem Evangelium erreicht („gospel reach“) und dabei ca. 343.000.000 „Entscheidungen“ registriert („indicated decisions“).

Platzhirsche deutschsprachiger digitaler Evangelisation

Auch wenn deutsche Werke mit der öffentlichen Darbietung von genauen Statistiken zurückhaltender sind als nordamerikanische, so lässt sich dennoch festhalten, dass es in Deutschland im christlichen Umfeld bekannte große Medienhäuser gibt mit einer bedeutsamen digitalen Präsenz wie Bibel TV, den SCM-Bundesverlag einschließlich Jesus.de und Amen.de, ERF-Medien inklusive ERF Bibleserver oder die Deutsche Bibelgesellschaft mit insbesondere „Die-Bibel.de“.

Aber werden auf diesen Wegen Menschen aus nichtchristlichen Hintergründen in großem Maße mit evangelistischen Inhalten erreicht? Martin Nowak, der viele Jahre bei RTL täglich ein Millionenpublikum unterhielt und seit Jahren viel für Bibel TV produziert, antwortet ganz klar mit Nein auf diese von ihm selbst aufgeworfene Frage. Er stellte als Insider innerhalb der christlichen Medienbranche im November 2025 in einem Seminar ernüchtert fest, dass ihm bisher kein Werk bekannt sei, dem es gelinge in Deutschland signifikant ein nicht schon christliches Publikum mit dem Evangelium
digital zu erreichen.

Innovative Wege in digitaler Evangelisation von creedle.io

Das creedle-Projekt setzt genau dort mit einem besonderen Fokus an. Es möchte insbesondere Menschen außerhalb der christlichen Welt digital mit dem Evangelium von Jesus Christus erreichen. Die erste Applikation creedle rockc zielt genau darauf ab.

Dieses Ziel gab auch die Strategie vor insbesondere dort präsent zu sein, wo nichtchristliche Menschen aktiv sind. Auf den Straßen und Gassen des 21.Jahrhunderts, das heißt bei den gängigen Suchmaschinen wie Google und Bing und mittlerweile auch den gängigen KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini, Perplexity AI, Copilot usw. Es geht nicht primär darum Menschen zu eigenen Webseiten zu lenken. Es geht darum das Evangelium nach außen sichtbar zu machen. Der christliche Digitalunternehmer Stefan Walliser führte 2022 bisher unveröffentlichte Messungen durch. Er untersuchte wer mit seinen Antworten rund um das Themenfeld „Jesus Christus“ im deutschsprachigen Raum wie sichtbar ist bei den ausgespielten Ergebnissen der weltweit dominierenden Suchmaschine Google. Seine Messungen ergaben, dass nach Jesus Christus auf Deutsch bei Google etwa 130.000-mal pro Monat gesucht wird. Allerdings waren nur ungefähr 18% der Treffer Antworten von Christen. Die zuvor erwähnten deutschsprachigen christlichen Werke gehörten zu
diesen 18%. Unter den verbleibenden 82% der Antworten waren Sondergemeinschaften wie die Mormonen und Zeugen Jehovas stark vertreten. Daneben gab es eine Reihe größerer säkulare Anbieter wie z.B. das Geo-Magazin. Damit waren insbesondere die Mormonen und Zeugen Jehovas digital deutlich überrepräsentiert im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Anhängerschaft im deutschsprachigen Raum.

Aus christlich evangelistischer Sicht ist diese Dominanz säkularer und nicht-christlicher Antworten auf für Christen zentrale Fragen rund um „Jesus Christus“

Wie wirkt creedle dieser Dominanz entgegen?

creedle wählte eine Sprache und ein Format, das diesen „Marktplätzen“ (vgl. Apg 17,17) in ihren inhaltlichen und technologischen Erwartungen entspricht. Dabei sollte aber das eigene inhaltlich christliche Fundament solide erhalten bleiben. Die Antworten auf creedle rockc sind einerseits theologisch anspruchsvoll und bibelfundiert und andererseits allgemeinverständlich formuliert.

Es soll keine Insidersprache verwendet werden (z. B. „zeigen“ statt „bezeugen“) und auf Verschachtelungen mit vielen Nebensätzen verzichtet werden. Eine einfache Gliederung des Textes mit meistens 2-4 kurzen aussagekräftigen Überschriften erhöht den Lesefluss. KI darf in der Recherche und als Feedback mit verwendet werden, aber es soll primär selbst formuliert werden. Das liegt daran, dass KI generierte Texte i.d.R. erkannt und als weniger relevant eingestuft werden in der digitalen Bewertung. Jede Antwort wird in einer theologischen Supervision inhaltlich und in einer sprachlichen Supervision sprachlich von qualifiziertem Fachpersonal geprüft.14 Es gibt zuerst eine Kurzantwort und dann eine ausführlichere Antwort. Theologie passt sich somit in einem gewissen Maße digitalen Räumen an. Die beschriebenen Entwicklungen digitaler Evangelisation führen nun zur Notwendigkeit einer ersten theologischen Reflektion.

Partnerschaft zwischen der Evangelischen Allianz Deutschland e.V. und creedle.io zum Ausbau des Netzwerks

Digitale Evangelisation missionstheologisch reflektieren

Heutige Evangelisten und Missionare müssen sich immer wieder bewusst den missionstheologischen sowie den strategischen Fragen stellen, die neue Rahmenbedingungen aufwerfen und Initiativen versuchen zu adressieren. Der Wiedenester Neutestamentler Christoph Stenschke macht sich zu Recht stark dafür das Neue Testament primär aus missiologischer Sicht zu verstehen. Der unmittelbare Missionskontext ist erster und dauerhafter Impuls des theologischen Ergründens und konkreter Anlass vermutlich praktisch aller 27 neutestamentlichen Schriften. Dieses missionstheologische Anliegen geht dabei bereits auf den historischen Jesus selbst zurück, wie Eckhart Schnabel demonstrierte. Diesen Ansatz machen wir uns nun zu Nutze in unserer theologischen Reflektion aktueller digitaler Evangelisation, die hier zwei zentrale Aspekte beleuchten soll.

Die Strategie gegenwärtiger digitaler Evangelisation wie creedle.io knüpft an die großen Linien missionstheologischen Denkens und Handelns der letzten beiden christlichen Jahrtausende an. So sprach Martin Luther in berühmter Weise davon, dass man „dem Volk auf’s Maul schauen“ muss. Er forderte somit eine hohe Verständlichkeit der Evangeliumsverkündigung ein und entsprach damit dem unmittelbaren Anliegen des Neuen Testamentes. Das Neue Testament wurde in der alltäglichen Sprache der Menschen, dem Koine Griechisch, verfasst. In seiner kanonischen Zusammenstellung beginnt das Neue Testament mit vier Berichten, die im antiken Kontext zahlreiche bekannte Muster biografischen Erzählens aufweisen. Der Gießener Neutestamentler Armin Baum schreibt in seiner Studie zum Genre der Evangelien resümierend: „‚Form follows function‘. Die Gattungsmerkmale der Evangelien passten zu ihrem Zweck.“

In scheinbarem Kontrast dazu schreibt der Evangelisationsforscher Patrick Todjeras mit Blick auf moderne soziale Medien: „Einerseits sind also Medien strukturgebend für ihre Umwelt und strukturieren Kultur. Andererseits werden Strukturen vielfältig sozial realisiert, Kultur ist also ein ‚Feld von Konflikten, in denen um Machtansprüche gerungen wird‘.“

Beide widersprechen sich nicht. Auch Baum zeigt deutlich auf wie die Evangelien eben anknüpfen an bekannte literarische Muster und diese zu einem gewissen Grad dann innovativ gemäß eigenen Kommunikationsabsichten variieren und kombinieren.20 Dieses Anknüpfen an vorhandene mediale Erwartungen trägt zur Verständlichkeit bei, damals wie heute. Nach den Evangelien und der Apostelgeschichte folgen im Neuen Testament insbesondere viele Briefe, die ein im ersten Jahrhundert gebräuchliches Medium aufgreifen. Briefe erlaubten es konkret in jungen Missionskontexten der frühen, geografisch rasch weit verbreiteten christlichen Gemeinde über große Distanzen zügig miteinander zu kommunizieren und dabei persönliche Verbindungen zu pflegen (vgl. 1Thess 2,17-20; 1Kor 5,3).

Die jüngere Forschung erkennt Paulus wieder stärker als innovativen Literaten an, der zahlreiche bekannte Elemente aus der antiken Briefliteratur zu seinen Zwecken neu verwebt. Diese innovative Anknüpfung an vorgefundene mediale Muster in den Evangelien sowie den Briefen des neuen Testamentes führte in Sprache und Format dazu, dass die biblische Botschaft und konkret die christliche Frohbotschaft vom Kommen des Sohnes Gottes weite bis dato ungeahnte Verbreitung außerhalb etablierter frommer und primär jüdischer Kreise erhielt. Damit hat der maximal zugängliche Kommunikationsmodus des Neuen Testamentes sicher zum historischen „parting of the ways“ zwischen Judentum und Christentum im ersten Jahrhundert signifikant beigetragen. Die vielen Briefe des Heidenapostels Paulus bezeugen seine missionstheologische Innovationskraft und führten schlussendlich sogar dazu, dass der neutestamentliche Kanon von der Form des Briefes geradezu dominiert wird. Das Medium wurde also mit Absicht gewählt, gerade um das Anliegen verständlicher und maximaler Verbreitung des Evangeliums zu fördern (vgl. 1Thess 2,15; 1Kor 5,9; Phil 1,3-5; Kol 4,16 usw.).

Wer ein Anliegen verbreiten kann, erwirbt eine Deutungshoheit, die auch mit Einfluss und Macht verbunden ist. Nehmen wir das Beispiel vom digitalen Themenfeld „Jesus Christus“. Jemand wird hier tonangebend sein. Das nennt man in der digitalen Welt dann Themenautorität („topical authority“). Mit solcher Themenautorität gewinnt man Einfluss. Man bestimmt, was ein Großteil der Bevölkerung, der sich digital informiert, zu diesem Thema denkt („normative Kraft des Faktischen“). Diesen Einfluss haben in unserem Beispiel bisher nicht christliche Verfasser ausgeübt (Mormonen, Geo-Magazin usw.). Das hat sich im DACH-Raum bereits massiv geändert und creedle rockc hat heute bei vielen wichtigen Themen rund um Jesus Christus topical authority erlangt.

Damit geht dann auch Macht einher. Wer Einfluss zu diesem Thema ausüben will, muss entweder technisch zurückschlagen oder sich bei creedle rockc melden und um eine Möglichkeit der inhaltlichen Mitgestaltung bitten. Einfluss führt zu Macht und damit Verantwortung. Das war schon immer so auch in der Kommunikation der christlichen Botschaft.
Nehmen wir den Arzt und Evangelisten Lukas. Er verfasste einen Doppelband zum Leben von Jesus und der Ausbreitung des christlichen Glaubens in der frühen Kirche von Jerusalem bis nach Rom. Dies war nur möglich, weil er einen bedeutenden Sponsor fand (Lk 1,3; Apg 1,1). Dies eröffnete Lukas materiell den Zugang zur notwendigen Technik und Ressourcen, um sein Unterfangen in die Tat umzusetzen (hinzu kam die anschließende Vervielfältigung).

Damit erreichte Lukas dann wiederum eine gewisse, wenn auch nicht ausschließliche Deutungshoheit (neben drei weiteren Evangelien, zur Apostelgeschichte gab es keine „Konkurrenz“), was zu Einfluss und Macht führt. Das wird z.B. daran sichtbar, dass viele Forscher davon ausgehen, dass die Veröffentlichung der Apostelgeschichte ein größeres Interesse an paulinischen Schriften mit verursachte, weil Paulus eine so prominente Figur in Lukas Darstellung der frühen Missionsgeschichte ist. Wir könnten das nun noch weiter denken, aber der Punkt ist hier, dass christliche Personen und Werke Einfluss und Macht schon immer positiv in der Missionsgeschichte nutzen konnten zur Förderung von anderen vertrauenswürdigen
Boten und evangeliumsgemäßen Inhalten. Ebenso ließen sich im ersten, wie in allen weiteren Jahrhunderten Beispiele für den Missbrauch gewonnenen christlichen Einflusses aufzeigen (geistlich wie politisch).

Besonders belastend ist das in unserer Gegenwart weiterhin mit Blick auf das Erbe der Verstrickung von Kolonialismus und christlicher Mission. In jüngerer Vergangenheit kam als ein Gegengewicht zu Machtmissbrauch auch auf dem Hintergrund des kolonialistischen Erbes das Schlagwort des Polyzentrismus auf. Einerseits als Fakt der gegenwärtigen Lage der Mission und andererseits als Absicht im Sinne einer Machtteilung (vgl. die Pluralität von Gemeindeleitung im Neuen Testament, z.B. Phil 1,1).

Polyzentrische Kollaboration als Schlüssel für digitale Mission und Evangelisation bei creedle.io

Der Begriff Polyzentrizität beschreibt ein System mit mehreren bedeutsamen Zentren. Die weltweite christliche Mission wird heute aus vielen (poly-)verschiedenen Zentren „befeuert“ (USA, Südkorea, Brasilien, Nigeria usw.). Diesen polyzentrischen Ansatz bewusst gewinnbringend in neue internationale christliche Bewegungen zu integrieren, wird ein noch wenig genutzter Schlüssel sein.

Partnerschaft zwischen der Evangelischen Allianz Deutschland e.V. und creedle.io zum Ausbau des Netzwerks

Die Notwendigkeit polyzentrisch gedachter Missionsarbeit ergibt sich bereits aus den Realitäten. Neue missionarische internationale Initiativen entstehen an vielen Orten weltweit gleichzeitig. Weltweite Missionsarbeit ist bereits polyzentrisch und dies auszublenden ist weder möglich noch sinnvoll. Allerdings ist es mitnichten selbstverständlich, auch nicht in digitaler Evangelisation. Beim Digital Discovery Center des vierten Lausanner Weltkongress für Evangelisation 2024 in Südkorea gab es etwa 40 verschiedene Austeller. Davon waren zwei aus Europa (creedle.io und jesus.net) und alle anderen aus Nordamerika. Zudem folgen viele auch moderne digitale Projekte dem Schema der Verbreitung der eigenen theologischen Inhalte in die weite Welt (jesus.net verbreitet z.B. primär die US-amerikanische Serie „The Chosen“).

Eine dezentrale Erstellung von Inhalten ist bedauerlicherweise häufig weniger Teil der bewussten Strategie selbst internationaler digitaler Initiativen. Damit geht natürlicherweise auch Einfluss und Macht einher. Wer Inhalte verantwortet setzt den Ton.

Wie schätzen christliche Leiter weltweit selbst die Situation ein? Was sind ihre Bedürfnisse und Vorstellungen zu digitaler Mission? Eine Umfrage der Lausanner Bewegung vom Oktober 2025 zeigt, dass 95% der globalen christlichen Leiter digitale Räume als Missionsfeld betrachten und dazu aufrufen mehr in Anstrengungen den Missionsauftrag in die digitale Welt zu tragen zu investieren. Gleichzeitig sind sie unsicher, wie sehr es der Gemeinde aktuell gelingt Jesus in die digitale Welt zu bringen. Die Möglichkeiten sind ihnen bewusst, aber der richtige Weg vorwärts bleibt eine Herausforderung
und scheint noch nicht gefunden.

Eine digitale Reformation, wie sie creedle.io anstrebt, entspricht somit recht gut
dem Anliegen vieler christlicher Leiter weltweit. Es geht dabei zum einen um den Raum der Digitalität. In diesem Raum soll eine christliche Reformation hineingetragen werden und stattfinden. Aber aus diesem digitalen Raum kann wiederum auch eine digital entfachte Reformation in unsere physische Wirklichkeit einbrechen. Ein Konkurrenzdenken zwischen digitalem und physischem oder analogem Raum bremst weiterhin
missionarische Bemühungen und muss überwunden werden.

Wir brauchen eine Inkarnation des Christlichen (und damit von Christus) in den digitalen Raum. Dies wird erst gelingen können, wenn die Digitalität als eigenständiger Raum (und nicht nur als add-on) von christlichen Leitern begriffen wird und somit neue kreative Konzepte speziell für die vielfältigen digitalen Kontexte erdacht werden dürfen.

Wie ist creedle vorgegangen? Das Projekt creedle hat sich im Jahr 2022 vorgenommen, ein christliches digitales Ökosystem zu errichten. Die Initiative kam vom Evangelisten und Gründer der GetAwayDays, Tobias Kley, und die digitale Architektur von Stefan Walliser. Was will creedle erreichen?

Wir wollen mit creedle gemeinsam Jesus digital sichtbar machen. Alle Menschen sollen wertvolle und wahre Inhalte zu Jesus finden können. Und zwar auf die Art, dass Menschen durch creedle mit anderen Christen und Gemeinden vernetzt werden. Wir wollen die Stärken von Christen zusammenbringen, um Jesus gemeinsam sichtbar zu machen. Das ermöglichen wir durch bedarfsorientierte Applikationen, die sogenannten creedlec (kriːdɛls), die innerhalb des künftigen digitalen Ökosystems zentral durch eine Suchmaschine unter creedle.io verbunden sein werden.

Das bedeutet, dass das creedle-Projekt den Gedanken der polyzentrischen Kollaboration
von Anfang an mit in seiner geistigen DNA hat. Das Ziel Jesus sichtbar zu machen, soll explizit kollaborativ erreicht werden. Bestehende christliche Projekte und Werke sollen mit ihren Angeboten integriert werden. Die Teilhabe am digitalen Netzwerk (Ökosystem) creedle ermöglicht bestehenden christlichen Content Creators eine größere digitale Reichweite und Einfluss. creedle etabliert die digitale Infrastruktur auf einem Level, dass einzelnen Initiativen nicht möglich ist und dass überhaupt prinzipiell nicht mehr einzeln erreicht werden kann, sondern nur noch im Verbund (schon aus technologischer Sicht).

Theologische Grundlage für diese christliche Kollaboration im Ökosystem creedle ist die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz in Deutschland sowie das Apostolikum und Nicäno-Konstantinopolita-änum. Das C am Anfang und Ende aller creedlec soll auf Christus verweisen, der Anfang und Ende ist (Offb 1,8). Die Endung .io ist eine internationale Domain-Endung, die länderspezifisch angepasst wird (z.B. in .de) und macht die von Anfang an mitgedachte Internationalisierung dieser Architektur kenntlich.

Verschiedene Applikationen (creedlec) innerhalb des digitalen Ökosystems nehmen verschiedene Bereiche des christlichen Lebens in den Fokus und vernetzen bestehende Bewegungen in einer digitalen Metabewegung. Angefangen wurde mit dem Bereich Evangelisation in der Applikation creedle rockc, die im Juni 2023 online ging.

Ganz bewusst wurden hier möglichst viele verschiedene Experten zum Beantworten der gemessenen Fragen angefragt. Diese kommen aus zahlreichen verschiedenen theologischen Ausbildungsstätten und Konfessionen. Es sind Dozenten, Pastoren, Missionare und andere christliche Leiter. Die Autoren haben fast alle einen theologischen Hochschulabschluss. Darüber hinaus beteiligten sich mehr Autoren mit einem theologischen Doktorgrad als mit einer geringeren Qualifizierung. Die Beiträge auf creedle rockc müssen dabei konfessionell kollegial gehalten werden. Der Fokus liegt auf den Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede zur Sprache kommen, soll dies respektvoll geschehen. Der Theologe und Evangelist Ulrich Parzany berät hier mit seiner geistlichtheologischen Erfahrung.

Bei creedle rockc erstellt creedle deshalb eigene Inhalte, weil die Plattform nur so eine besondere Reichweite im Netz realisieren kann. Diesem Ziel der maximalen digitalen Verbreitung haben Form und Sprache und die technologische Aufbereitung Rechnung getragen. Damit ist creedle rockc inhaltlich sowie technologisch als Herzstück des Ökosystem konzipiert. Über diese Plattform finden viele Menschen zu Christus und zu creedle samt seinen anderen Angeboten.

Als zweite Plattform ging creedle mapc zu Weihnachten 2024 online. Diese Plattform schlägt sogleich die Brücke von der digitalen in die analoge Welt. Mit ihrer Hilfe kann man christliche Gemeinden oder Kleingruppen vor Ort finden (aber auch digitale Gruppen). Nach einem Jahr gibt es über 1200 Einträge in ganz Deutschland aus einer Reihe unterschiedlicher Konfessionen. Bei jedem Angebot muss eine direkte Ansprechperson hinterlegt sein. Diese Plattform unterscheidet sich von klassischen Gemeindefindern durch die Integration in das größere Ökosystem creedle.

Es gibt aktuell bereits die Verknüpfungen von rockc Antworten zu den persönlichen Profilen der Autoren und dann zu creedle mapc. Die digitale Kompetenz von creedle wird auch hier nach kurzer Zeit sichtbar, indem z.B. Landing Pages von Gemeinden bei creedle mapc schon besser ranken im Netz als ihre eigenen Homepages und auch Klein- bzw. Untergruppen von Gemeinden eine deutlich erhöhte Sichtbarkeit erhalten. Es finden bereits jede Woche reale Menschen über creedle mapc zu Gemeinden vor Ort.

Als dritte Plattform ging im Frühjahr 2025 creedle mediac unter der Leitung des
bekannten christlichen Autors und YouTubers Christopher Schacht an den Start. Diese Plattform präsentiert christliche Bilder, Videos, Audios, Dokumente und Präsentationen. Dabei kann nach verschiedenen Anwendungsbereichen sortiert gesucht werden wie Gottesdienste, Kleingruppen, Freizeiten, Mission, Events usw. Hier wird das Netzwerk mit Partnern noch gebaut und erweitert, damit möglichst viele aber wertvolle praktische Materialien kostenfrei geteilt und gefunden werden können von Gemeinden, Werken und Einzelpersonen. Mittelfristig soll sich hier jeder mit top Materialien zu beinah allen Themen und Anwendungszwecken ausstatten können und seine besten Ressourcen unkompliziert mit anderen teilen können.

Eine Verkaufsplattform ist mit creedle commerc Ende Mai 2025 online gegangen. Hier können christliche Produkte von creedle in Partnerschaft mit dem Bolanz Verlag erworben werden. Viele weitere christliche Produkte von Künstlern, Autoren und Werken sollen ebenfalls auf der Plattform ergänzt werden. Mit dem Kauf der Produkte trägt jeder zu weiterer Sichtbarkeit von Jesus im Internet.

Kurz vor Weihnachten 2025 ging die nächste Plattform namens creedle wordc online. Hier kann man die Bibel nach Themen durchsuchen. Die Suche ist KI unterstützt und berücksichtigt somit z.B. auch Synonyme. Die Themen wurden mithilfe von KI und theologisch menschlicher Überprüfung mit relevanten Bibelversen bestückt. Dank einer Partnerschaft von creedle mit der Deutschen Bibelgesellschaft können bis zu Bibelverse direkt bei creedle gelesen werden.

Zum vollständigen Lesen der Bibel kann man per Link direkt zum Bibelserver der Deutschen Bibelgesellschaft gelangen. Weitere Plattformen rund um Mission (creedle missionc), Gebet (creedle prayerc), christliche Bildung (creedle campuc), christliche Unterkünfte (creedle bookingc) usw. sind bereits in der Entwicklung. Das Backend des Ökosystems creedle ist technologisch mit dem Ziel fortwährender vernetzter Erweiterung angelegt worden.

Jede neue Plattform profitiert direkt von der Integration in das Ökosystem creedle. Wenn diese Plattformen zentral über eine eigene KI unterstütze Suchleiste miteinander verknüpft werden, steigert sich der Effekt gegenseitiger Bereicherung ganz besonders. Bei der Planung neuer Plattformen wird darauf geachtet möglichst viele kompetente christliche Partner in jedem Fachgebiet mit in die Entwicklung und Verantwortung dieser Plattformen hineinzunehmen. Somit wird polyzentrische Kollaboration von creedle innerhalb Deutschlands bereits konkret gelebt.

Der Lausanner global Report vom September 2024 bringt mindestens zwei konkrete zentrale Aspekte mit ins Spiel: Oralität und Lokalität. Die digitale Welt ist viel stärker eine orale Welt, als uns das bisher in Deutschland bewusst sein mag. Viele digitale Applikationen und die Kommunikation über soziale Netzwerke haben einen ausgeprägten oralen Schwerpunkt und Charakter. Außerdem werden lokale Sprachen stark nachgefragt (Lokalität). Dies ließ sich gut im Verhalten bzgl. Bibelapps messen. Bibelapps in einer einzigen Sprache haben in den letzten Jahren enormen Zulauf erhalten während Apps mit mehreren Sprachen an Boden verloren haben und schließlich überholt wurden von Apps mit einem klaren Fokus in einer Sprache.

Diese Dynamiken müssen bei digitaler Mission und Evangelisation berücksichtigt werden. Das creedle-Projekt beispielsweise ist bereits im Austausch mit dem in Barcelona ansässigen christlichen Unternehmen AccentNetwork, das auf Lokalisierung spezialisiert ist. Sie übertragen Texte in Audios (Oralität) und übersetzen Texte und Audios in andere Sprachen (Lokalität und Synchronisation) mit einer eigens verfeinerten KI sowie menschlicher Kontrolle. Nach Angaben des CEO Daniel Samper sind sie weltweit
eines der führenden Unternehmer in Bezug auf Lokalisierung in kleinere Sprachgruppen. 40 Kleinere Sprachgruppen mit der Botschaft zu erreichen ist tief verankert in der christlichen Missionstheologie und Missionsstrategie und an sich schon eine postkoloniale Tugend, weil es den Fokus von den dominanten Sprachgruppen auf die kleineren oft vernachlässigten Sprachgruppen und Kulturräume setzt.

Das creedle-Projekt möchte eine Internationalisierung bewusst im Sinne polyzentrischer Kollaboration umsetzen. Dabei sollen real vorhandene Bedürfnisse und Schmerzpunkte immer wieder aufmerksam analysiert und berücksichtigt werden. In
jedem neuen Land ist es das Ziel von creedle ein geistliches Leitungsteam - HOST Team von Menschen vor Ort zu etablieren. Dafür werden starke christliche Leiter vor
Ort als Partner und Verantwortungsträger gesucht. Sie müssen die Kontextualisierung des Projektes in ihrem Land oder möglicherweise ihrer Sprachgruppe innerhalb eines Landes geistlich verantworten und umsetzen (z.B. in Äthiopien oder Indien wird man erwägen müssen, ob ein HOST Team überhaupt ausreicht). Das jeweilige HOST Team muss entscheiden, welche weiteren lokalen Partner eingeladen werden können und z.B. auf creedle mapc auffindbar gemacht werden sollen (Verifizierung). Sie können auch weitere Plattformen dem creedle-Ökosystem in ihrem Land hinzufügen (z.B. creedle orphanc usw.), wenn sie einen bestimmten Schwerpunkt setzen wollen, sei das in Jüngerschaft, sozial-diakonischem Engagement, Evangelisation oder was ihnen noch so wichtig sein mag (technologisch haben wir zahlreiche bereits fertige Building Blocks, die einen solchen Weg einfacher machen).

Das neue Host Team trägt die geistliche Verantwortung und wird auch finanziell verantwortlich sein für die Etablierung der digitalen Infrastruktur in ihrem Kontext. Wir rechnen aktuell mit Kosten von ca. 250.000 US Dollar pro Land und sind bereits erstaunt, dass diese Summe auch Gesprächspartner mancher „kleinerer Länder“ nicht prinzipiell abhält. Dennoch würden wir gerne finanzschwächere Länder dabei unterstützen, wenn uns dafür Sponsoren zur Seite stehen.

Wichtig ist uns allerdings die erwähnte polyzentrische Kollaboration und klar christliche Verankerung. Entscheidend wird es somit sein die richtigen Partner zum Beginn zu finden, aus denen dann das nationale Host Team geformt wird. Wir erwarten da eine gewisse konfessionelle Pluralität und Kollaboration wie wir es in Deutschland bei creedle bereits etabliert haben. Die ersten natürlichen Partner und Kontakte sind über die Lausanner Bewegung und durch die internationalen evangelischen Allianzen entstanden.

Zusammenfassung

Digitale Räume sind heute zentrale Orte religiöser Orientierung und Sinnsuche. Evangelisation, die diese Räume nicht aktiv gestaltet, überlässt Einfluss und Deutungshoheit anderen Akteuren. Das creedle-Projekt versteht digitale Evangelisation daher als missionstheologische Notwendigkeit und knüpft bewusst an das biblische Anliegen verständlicher und möglichst breiter Verkündigung an. Durch theologisch verantwortete Inhalte, technologische Exzellenz und eine klare Ausrichtung auf Suchmaschinen und KI-Plattformen macht creedle das Evangelium dort sichtbar, wo Menschen tatsächlich suchen.

Gleichzeitig begegnet creedle den Herausforderungen von Einfluss und Macht durch einen konsequent polyzentrischen, kollaborativen Ansatz. Das digitale Ökosystem verbindet Evangelisation, Gemeindevernetzung und Ressourcenteilung und
schlägt bewusst die Brücke zwischen digitalem und analogem Raum. So versteht sich creedle nicht als Einzelprojekt, sondern als gemeinsame Infrastruktur für eine digitale Reformation – getragen von konfessioneller Vielfalt, theologischer Verantwortung und globaler Partnerschaft. Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr, ob digitale Mission notwendig ist, sondern ob Christen bereit sind, Verantwortung, Ressourcen und Deutungshoheit miteinander zu teilen.

-- Artikel verfasst von Tomislav Jerkovic im Auftrag des creedle PARTNERS Kontaktmission e.V.