Strategische Partnerschaften werden ausgebaut
Die mobile Bibel-App „YouVersion“ ging 2008 gemeinsam mit dem Apple App Store an den Start. Gerade einmal 17 Jahre später im November 2025 erreichte die Bibel-App „YouVersion“ eine Milliarde Downloads. Die umfassende globale digitale Vernetzung hat im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts ganz neue Realitäten geschaffen, die man sich am Ende des 20. Jahrhunderts noch nicht mal im Geringsten hat vorstellen können.
Genau mit diesen neuen Möglichkeiten hat sich in Deutschland das creedle-Projekt Anfang 2022 zum Ziel gesetzt eine „digitale Reformation“ zu entfachen und „gemeinsam Jesus digital sichtbar [zu] machen.“creedle-Gründer Tobias Kley betonte dabei von Anfang an: „Alle für alle – wir können nur alle Menschen mit dem Evangelium erreichen, wenn alle Kinder Gottes mitwirken und das einbringen, was Gott ihnen auf’s Herz gelegt hat, worin sie schon viel Erfahrung haben und was sie sowieso schon machen.“
Von Anfang an war klar, dass es einer digitalen Infrastruktur bedarf, die überall auf der Welt eingesetzt werden kann und damit Kosten senkt und Kräfte bündelt. Im Juni 2023 stellte creedle.io ihre erste evangelistische Plattform namens creedle rockc online. Diese Plattform hatte sich zum Ziel gesetzt die meistgesuchten Fragen bzgl. Jesus Christus zu beantworten. Angefangen hat es mit gerade einmal 100 Antworten zu den aber messbar bei Google meistgestellten Fragen rund um Jesus Christus. Mittlerweile sind 287 Antworten online auf creedle rockc.
Innerhalb der ersten beiden Jahre konnten mit dieser überschaubaren Anzahl von Texten allein bei Google ca. 2,5 Millionen Mal creedle-Seiten eingeblendet werden (page impressions). Der steile Aufwärtstrend setzt sich auch nach über 2,5 Jahren trotz substanziellen finanziellen Herausforderungen und massiven technologischen Veränderungen fort. Das Aufkommen von KI-Chatbots im gleichen Zeitraum hat dem keinen Abbruch geleistet. Im Gegenteil, es stellte sich heraus, dass das creedle-Projekt gemäß IT-Standards so gut strukturiert und aufgestellt ist, dass es mit seinen Inhalten von den aufkommenden KI-Chatbots geradezu „geliebt“ wird.
Die enormen Möglichkeiten von digitaler Evangelisation und dezentraler Zusammenarbeit (vgl. polyzentrische Kollaboration weiter unten) liegen im Grunde schon lange auf der Hand. Aber werden diese Chancen strategisch bereits erkannt und genutzt? Wie ist der Stand digitaler Mission in der Welt und in Deutschland? Wo liegen zum Beispiel Stolperfallen im Bereich von Macht und welche anderen wichtigen Fragen tauchen hier neu auf? Wie gut sind Initiativen theologisch und missiologisch reflektiert? Was hat das creedle-Projekt genau vor und wie verhält sich diese Zielsetzung und Vorgehensweise im Bezug zu den großen zuvor erwähnten Fragen?
Dieser Artikel fragt somit danach, wie digitale Evangelisation heute missionstheologisch verantwortlich gestaltet werden kann, welche Chancen und Gefahren mit digitaler Deutungshoheit verbunden sind und wie das creedle-Projekt darauf strategisch und theologisch antwortet.
Stand der Digitalen Evangelistion
Beginnen wir in Auszügen mit einem Blick auf den Stand der digitalen Missionsbemühungen in der Welt und in Deutschland. Der Schwerpunkt wird hier auf die Evangelisation gelegt. Weitere Aspekte von Mission sollen später zumindest mit angedacht werden. In diesen evangelistischen Bemühungen verorten wir das creedle-Projekt.

Streiflichter weltweiter digitaler Evangelisation
Der französiche digitale Missionar Éric Célérier war einer der ersten, der eine christliche Webseite in den 1990er programmierte. Das war so neu, dass man ihn dafür damals nach Brasilien einlud, um das mit der Webseite dort vorzustellen. Heute ist er Global Ambassador von „The Chosen“, einer christlichen Serie, die sogar einen Guinness-Weltrekord aufgestellt hat. Bis Oktober 2025 wurde „The Chosen“ nicht nur weltweit von über 770 Millionen Menschen angeschaut, sondern sogar als erste Staffel in über 80 Sprachen übersetzt (der Streamingdienst Netflix bietet gerade einmal 45 Sprachen an).
Dabei liegt das Ziel von „The Chosen“ sogar bei etwa 600 Sprachen und mehrere weitere Staffeln sind bereits in Planung. „The Chosen“ und Éric Célérier haben noch viel vor. Die Ziele von Global Media Outreach (GMO) sind allerdings noch etwas ambitionierter. Yvonne Carlson (Chief Technological Officer bei GMO) erklärt im Interview mit Steffen Ehl (Vice President bei einem internationalen Tech-Unternehmen), dass ihre „5-Sterne Strategie“ darauf abzielt bis 2033 weltweit 5 Milliarden Menschen digital mit dem Evangelium zu erreichen.10 Seit 2004 haben sie mittlerweile auch laut ihrer eigenen Webseite bereits über 3 Milliarden Menschen weltweit mit dem Evangelium erreicht („gospel reach“) und dabei ca. 343.000.000 „Entscheidungen“ registriert („indicated decisions“).
Platzhirsche deutschsprachiger digitaler Evangelisation
Auch wenn deutsche Werke mit der öffentlichen Darbietung von genauen Statistiken zurückhaltender sind als nordamerikanische, so lässt sich dennoch festhalten, dass es in Deutschland im christlichen Umfeld bekannte große Medienhäuser gibt mit einer bedeutsamen digitalen Präsenz wie Bibel TV, den SCM-Bundesverlag einschließlich Jesus.de und Amen.de, ERF-Medien inklusive ERF Bibleserver oder die Deutsche Bibelgesellschaft mit insbesondere „Die-Bibel.de“.
Aber werden auf diesen Wegen Menschen aus nichtchristlichen Hintergründen in großem Maße mit evangelistischen Inhalten erreicht? Martin Nowak, der viele Jahre bei RTL täglich ein Millionenpublikum unterhielt und seit Jahren viel für Bibel TV produziert, antwortet ganz klar mit Nein auf diese von ihm selbst aufgeworfene Frage. Er stellte als Insider innerhalb der christlichen Medienbranche im November 2025 in einem Seminar ernüchtert fest, dass ihm bisher kein Werk bekannt sei, dem es gelinge in Deutschland signifikant ein nicht schon christliches Publikum mit dem Evangelium
digital zu erreichen.
Innovative Wege in digitaler Evangelisation von creedle.io
Das creedle-Projekt setzt genau dort mit einem besonderen Fokus an. Es möchte insbesondere Menschen außerhalb der christlichen Welt digital mit dem Evangelium von Jesus Christus erreichen. Die erste Applikation creedle rockc zielt genau darauf ab.
Dieses Ziel gab auch die Strategie vor insbesondere dort präsent zu sein, wo nichtchristliche Menschen aktiv sind. Auf den Straßen und Gassen des 21.Jahrhunderts, das heißt bei den gängigen Suchmaschinen wie Google und Bing und mittlerweile auch den gängigen KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini, Perplexity AI, Copilot usw. Es geht nicht primär darum Menschen zu eigenen Webseiten zu lenken. Es geht darum das Evangelium nach außen sichtbar zu machen. Der christliche Digitalunternehmer Stefan Walliser führte 2022 bisher unveröffentlichte Messungen durch. Er untersuchte wer mit seinen Antworten rund um das Themenfeld „Jesus Christus“ im deutschsprachigen Raum wie sichtbar ist bei den ausgespielten Ergebnissen der weltweit dominierenden Suchmaschine Google. Seine Messungen ergaben, dass nach Jesus Christus auf Deutsch bei Google etwa 130.000-mal pro Monat gesucht wird. Allerdings waren nur ungefähr 18% der Treffer Antworten von Christen. Die zuvor erwähnten deutschsprachigen christlichen Werke gehörten zu
diesen 18%. Unter den verbleibenden 82% der Antworten waren Sondergemeinschaften wie die Mormonen und Zeugen Jehovas stark vertreten. Daneben gab es eine Reihe größerer säkulare Anbieter wie z.B. das Geo-Magazin. Damit waren insbesondere die Mormonen und Zeugen Jehovas digital deutlich überrepräsentiert im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Anhängerschaft im deutschsprachigen Raum.
Aus christlich evangelistischer Sicht ist diese Dominanz säkularer und nicht-christlicher Antworten auf für Christen zentrale Fragen rund um „Jesus Christus“
Wie wirkt creedle dieser Dominanz entgegen?
creedle wählte eine Sprache und ein Format, das diesen „Marktplätzen“ (vgl. Apg 17,17) in ihren inhaltlichen und technologischen Erwartungen entspricht. Dabei sollte aber das eigene inhaltlich christliche Fundament solide erhalten bleiben. Die Antworten auf creedle rockc sind einerseits theologisch anspruchsvoll und bibelfundiert und andererseits allgemeinverständlich formuliert.
Es soll keine Insidersprache verwendet werden (z. B. „zeigen“ statt „bezeugen“) und auf Verschachtelungen mit vielen Nebensätzen verzichtet werden. Eine einfache Gliederung des Textes mit meistens 2-4 kurzen aussagekräftigen Überschriften erhöht den Lesefluss. KI darf in der Recherche und als Feedback mit verwendet werden, aber es soll primär selbst formuliert werden. Das liegt daran, dass KI generierte Texte i.d.R. erkannt und als weniger relevant eingestuft werden in der digitalen Bewertung. Jede Antwort wird in einer theologischen Supervision inhaltlich und in einer sprachlichen Supervision sprachlich von qualifiziertem Fachpersonal geprüft.14 Es gibt zuerst eine Kurzantwort und dann eine ausführlichere Antwort. Theologie passt sich somit in einem gewissen Maße digitalen Räumen an. Die beschriebenen Entwicklungen digitaler Evangelisation führen nun zur Notwendigkeit einer ersten theologischen Reflektion.

Digitale Evangelisation missionstheologisch reflektieren
Heutige Evangelisten und Missionare müssen sich immer wieder bewusst den missionstheologischen sowie den strategischen Fragen stellen, die neue Rahmenbedingungen aufwerfen und Initiativen versuchen zu adressieren. Der Wiedenester Neutestamentler Christoph Stenschke macht sich zu Recht stark dafür das Neue Testament primär aus missiologischer Sicht zu verstehen. Der unmittelbare Missionskontext ist erster und dauerhafter Impuls des theologischen Ergründens und konkreter Anlass vermutlich praktisch aller 27 neutestamentlichen Schriften. Dieses missionstheologische Anliegen geht dabei bereits auf den historischen Jesus selbst zurück, wie Eckhart Schnabel demonstrierte. Diesen Ansatz machen wir uns nun zu Nutze in unserer theologischen Reflektion aktueller digitaler Evangelisation, die hier zwei zentrale Aspekte beleuchten soll.
Polyzentrische Kollaboration als Schlüssel für digitale Mission und Evangelisation bei creedle.io
Der Begriff Polyzentrizität beschreibt ein System mit mehreren bedeutsamen Zentren. Die weltweite christliche Mission wird heute aus vielen (poly-)verschiedenen Zentren „befeuert“ (USA, Südkorea, Brasilien, Nigeria usw.). Diesen polyzentrischen Ansatz bewusst gewinnbringend in neue internationale christliche Bewegungen zu integrieren, wird ein noch wenig genutzter Schlüssel sein.

Zusammenfassung
Digitale Räume sind heute zentrale Orte religiöser Orientierung und Sinnsuche. Evangelisation, die diese Räume nicht aktiv gestaltet, überlässt Einfluss und Deutungshoheit anderen Akteuren. Das creedle-Projekt versteht digitale Evangelisation daher als missionstheologische Notwendigkeit und knüpft bewusst an das biblische Anliegen verständlicher und möglichst breiter Verkündigung an. Durch theologisch verantwortete Inhalte, technologische Exzellenz und eine klare Ausrichtung auf Suchmaschinen und KI-Plattformen macht creedle das Evangelium dort sichtbar, wo Menschen tatsächlich suchen.
Gleichzeitig begegnet creedle den Herausforderungen von Einfluss und Macht durch einen konsequent polyzentrischen, kollaborativen Ansatz. Das digitale Ökosystem verbindet Evangelisation, Gemeindevernetzung und Ressourcenteilung und
schlägt bewusst die Brücke zwischen digitalem und analogem Raum. So versteht sich creedle nicht als Einzelprojekt, sondern als gemeinsame Infrastruktur für eine digitale Reformation – getragen von konfessioneller Vielfalt, theologischer Verantwortung und globaler Partnerschaft. Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr, ob digitale Mission notwendig ist, sondern ob Christen bereit sind, Verantwortung, Ressourcen und Deutungshoheit miteinander zu teilen.
-- Artikel verfasst von Tomislav Jerkovic im Auftrag des creedle PARTNERS Kontaktmission e.V.